Jul 12 2010

Unas fotos………

Unterkünfte für die arme Bevölkerung

Relativ komfortable Unterkunft für Menschen der StraßeBesuch einer Straßengruppe


Jul 12 2010

en la calle

Vergangene Woche verbrachte ich überwiegend mit dem Team des  CDO’s, centro de organisacion. Durch Urlaub und Fortbildung geschwächt, waren die Mitarbeiter auf einen reduziert. Juan, Jose Luis, unser Arzt und ich unterstützten den Einzelkämpfer abwechselnd. Im CDO werden die Straßedneinsätze vorbereitet, d.h. es werden täglich an die 50 Brötchen mit Margarine geschmiert, Tee oder Kakao gekocht, der Arztkoffer aufgefüllt und eingepackt.  Ich habe in dieser einen Woche so viel Leid und Menschenunwürdiges gesehen, dass ich das gar nicht aufschreiben kann, denn dafür gibt es keine Worte; Kinder mit nackten Füßen bei 3 Grad, verdreckte Gesichterchen mit große Augen. Manchmal lächelnd (wegen des Kakaos und des Brötchens), machmal todtraurig. Ein Mädchen geht mir da gar nicht aus dem Kopf, abweisende Körpersprache, fehlender Blickkontakt, Anteilslosigkeit und Desinteresse. Soviel unendliche Traurigkeit und Resignation in diesen höchstens 10jährigen Kinderaugen! Betrunkene Obdachlose, am Boden zusammengekrümmt, unter sich lassend, mit rotunterlaufenden Augen, nicht mehr fähig um Hilfe zu flehen. Die Körper der Straßenleute übersät mit kleinen entzündeteten Geschwüren und anderen Verletzungen; zerrissene Kleidung, fehlende Schuhe, Schmerzen……Minderjährige, schwangere Straßenmädchen, Schuhe putzend, von den Macho-Jungs der Gang herumkommandiert. Eines der Mädchen der Intocables (der Gang der Unberührbaren) wird in 2 Wochen ihr erstes Kind zur Welt bringen. Wer hilft dir? fragte ich sie. Meine Gruppe, sagte sie. Oh Mann! Ich gab ihr meine Handynummer, damit sie mich anruft, wenn es soweit ist. Bin zwar keine Hebamme, aber irgendwie werden wir das Kind schon holen. Ganz geheuer ist mir die Sache ja nicht, kann nur zupacken und beten, dass Mutter und Kind die Geburt gut überstehen und nichts Schlimmes passiert, v.a. unter den unhygienischen Bedingungen und den kalten Temperaturen.
Ja, und so geht ein Tag nach dem anderen. Kleine Erfolge erlebe ich, wenn wir einen Obdachlosen nach Martin Lipa ins REHA Zentrum bringen können, weil er von der Straße weg will, oder in das Zentrum REMAR von einer befreundeten Holländerin (Seit gestern Vizefußballweltmeister) . Das sind Glücksmomente.
Nach hause komme ich so um 19:30 um noch etwas Schreibarbeit zu erledigen, das Erlebte zu überdenken, aufzuschreiben, abzulegen und zuentspannen, wenn möglich.

Wöchentlich werden von der SH circa 250 bis 300 Erwachsene, Jugendliche und Kinder besucht.  Manchmal treffen wir sie nicht am gewohnten Ort an, sie sind weitergezogen oder von der Polizei vertrieben worden. Manchmal sind sie auch einfach zu betrunken und /oder berauscht, als dass sie zum vereinbarten Ort gehen könnten. Einen unerfreulichen Zusammenstoß mit 4 Polizisten habe ich miterlebt, aber er ging glimpflich ab, die Polizei zog nach einigen Diskussionen und Beobachtungen wieder ab. Jeden Dienstag nachmittag findet ein Treffen auf dem Theaterplatz statt. Die Mitarbeiter der SH bringen warmes Essen mit, Tee, Brötchen. Der verantwortliche Mitarbeiter hält eine kleine Andacht, wir singen ein zwei Lieder, völlig schräg und disharmonisch, danach wird Essen und warmer Tee ausgeteilt. Das tut den Menschen gut, sind doch die Temperaturen hier zwischen -5 und 15 Grad. Normale Temperaturen im Winter, es wird noch kälter werden.
Die Arbeit ist wichtig und gut, aber verbesserungs- und ausbaufähig, (wie fast alles im Leben). Der medizinische, diakonische und ökonomische Aspekt könnte effizienter ausgebaut und vertieft werden. Die Intension, Menschen zu ein menschenwürdigen Leben zu verhelfen, die Qualität ihrers Lebens langfristig zu verbessern, darf nicht überdeckt werden von der Aktion für ein paar Stunden Nahrung , medizinische Versorgung, Ratschläge und geistlichen Trost  zu geben.

bei 5 Grad Celsius

Kakao für die Kinder


Jun 25 2010

Plato paceno

Plato placeno, wörtlich übersetzt heißt dies: Gericht aus La Paz oder Essen der Einwohner La Paz, besteht aus choco (weißer, dicker Mais), haba (grüner, dicke Bohnen, queso (angebratener, würziger Käse, papa (Kartoffel) und evtl einem Stück Schweinefleisch. Zuvor wird eine Suppe gereicht, z.B. Sopa de mani (Erdnusssuppe mit Pasta oder Reis), oder sopa de verdura (Gemüsesuppe). Der Nachtisch darf  nicht fehlen und da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Plato paceno


Jun 13 2010

Erste Fotos von La Paz

Der Ilimani, ein 6000er, der Hausberg La PazTraditionelle Tänze während eines Straßenfestes

 

Ein Ausschnitt von La Paz
Traditionelle Tänze während eines Straßenfestes


Jun 8 2010

Ankunft in La Paz

Kurz vor der Landung in La Paz

Blick aus meinem Schlafzimmer

 Nach 27 Stunden Flug erreichte ich Samstag abend La Paz, diese beindruckende und faszinierende Stadt. Herzlich wurde ich von den Mitarbeitern Willkommen geheißen. Meine Wohnung schmückten Willkommensgrüße, gemalt und gebastelt. Für die ersten Tage waren Lebensmittel eingekauft.  Der erste Arbeitstag am Montag war ein besonderer.. Jeder wollte die hermana aus alemania kennenlernen, hatte Wünsche und Erwartungen geäußert. Manchmal konnte ich etwas Angst erspüren. Insgesamt aber ein guter Start. Mittwoch wird die offizielle Willkommensfeier stattfinden. Und dann gilt es sich zu bewähren. Ob ich auch 100 Tage haben werde wie die Politiker nach dem Wahlsieg?

Meine Wohnung ist eine typische bolivianische Wohnung. Vieles funktioniert nicht, aber es existiert, z. B. gibt es genug Stromdosen, pero no funciona. Esta bien, es la vida aqui… Mal sehen ob meine Wohnung das Privileg eines Telefones und Internetanschluss haben wird. …Aber, wichtiger als all diese Unwichtigkeiten eines funktionierenden Haushaltes  sind jetzt erst einmal Agreditacion, Permanencia usw.  

Me gusta estar aqui; espero, que asi eso continue…


Mai 31 2010

Wieder in Deutschland

Schon ist die erste Woche in Deutschland vorbei. Aber die Schreckensnachrichten aus Guatemala lassen mich gedanklich immer wieder zurückkehren. Pacaya ist ausgebrochen und hat die Capital mit Asche bedeckt. Der erste winterliche Tropensturm hat Erdrutsche und Überschwemmungen ausgelöst. Vorläufer dieser Stürme hatte ich ja noch miterlebt, nur kam ich letzten Samstag grad noch aus dem Land. Es gab Opfer. Was ist mit meinen Freunden dort? Ein Ehepaar aus Guate city schrieb mir heute, dass es ihnen gut gehe, sie unverletzt seinen, dass es aber viel Aufräumarbeit gäbe, Obdachlose, Verzweifelte. Sie bitten mich für die Guatemalteken zu beten; das werde ich auch tun. Der einzige internationale Flughafen ist gesperrt, Präsident Colon ließ den Notstand ausrufen, USA und Colombia haben Hilfe angeboten. Gott sei den Menschen und dem Land gnädig.


Apr 27 2010

Der Vulkan Santiaguito

Welch seltsames Licht heute früh, Montag, die Stadt beleuchtet. Als ich das Haus verließ um in die Schule zu gehen, sah ist den Vulkan Santa Maria. Das ist zunächst nichts beunruhigendes, ich sehe ihn jeden Morgen und den ganzen Tag; aber diesmal erschien er mir verändert. Über dem Gipfel bewegte sich in rasanter Schnelligkeit eine immer größer werdende Wolke, erst weiß, dann etwas gelblich, dann grau. Santiaguito, un “hijo” de la Santa Maria war zum Leben erwacht. Etwas mehr als eine Stunde grummelte er so vor sich hin. Der Himmel war trüb über Xela breitet sich ein Nebel aus Asche und kleinen Partikeln. Die Straßen und Autos bekamen einen Grauschleier, alles wirkte gedämpft und in ein seltsames Licht getaucht. Durch die Nachrichten erfuhr man, dass Santiaguito 3 mal eruptierte, später wurde auf 32 Mal verbessert (bis Mittwoch), auch Lava wurde gespuckt und dass er seine Tätigkeit die nächsten Tag nicht einstellen wird. Zunil und Almolonga, die Nachbar Comunidades hat es besonders heftig erwischt. Hier liegt die Asche Zentimeter dick. Das Atmen fällt etwas schwerer als sonst, alles ist in einen Dunstschleier getaucht, aber das Leben geht hier einfach weiter. Die Zeitungen versuchen zu beschwichtigen, Humus für die Pflanzenwelt, Mineralstoffhaltig usw. aber die Menschen haben Angst. Schließlich gab es letzte Woche 2 Erdbeben in deren Folge 4 Schüler zu Tode kamen (17-19 Jahre) und viele verletzt, z.T. schwer, in die Krankenhäuser eingeliefert wurden. Die Schule ist total zerstört. Und nun 4 Tage später der Vulkan. 1989 hatte der Vulkan ein Dorf durch Lava vollkommen zerstört. Das sitzt noch tief im Gedächtnis. Auch an das Erdbeben, vor 35 Jahren, dass 70.000 Tote hinterließ und eine fast völlig zerstörte Stadt Xela , wurde erst vor ein paar Wochen in allen Zeitungen und Radiosendern gedacht.Verschwörungstheorien schießen wie Pilze aus dem Boden (Die USA provoziere diese Naturkatasthrophen in Chile, jetzt in Guatemala, um Centralamerika zu schwächen), Aberglaube bricht offen aus. Die Geister der Toten überbringen Botschaften von der maldretierten Mutter Erde. In http://www.spiegel.de/video/video-1062783.html kann man sich ein aktuelles Video von den Aktivitäten des Santiaguito ansehen. Bei den Videos einfach ein wenig nach unten scrollen und auf einen der nach unten zeigenden Pfleilen rechts oder links der Videos klicken; so werden weiter Videos zum Ansehen sichtbar, darunter auch: “Der nächste bitte, Vulkan in Guatemala ausgebrochen”.

Santiaguito am Anfang der Eruption


Apr 15 2010

Die Osterzeit

Gründonnerstag schauten Jaci, Dana, Luis und ich der Kinderprozession der katholischen Kirche zu. Abartig. Die Jungs in lila gekleidet,  schleppen 4 Stunden eine schwere Statue, die Jesus darstellt, durch die Stadt, die kleinen Jungs ab 2 Jahre, laufen nebenher, bekleidet von Vater oder Mutter. Diese haben eine Menge Geld an die Kirche bezahlt, damit ihre Kinder teilnehmen dürfen, die z.T. überhaupt nicht verstehen um was es hier geht. Durch die Schlepperei nehmen die Jungs einen kleinen Teil des Leidens Jesu auf sich und bezahlen damit ihre Schuld. Die Mädchen, wie Bräute ganz in weiß gekleidet, tragen die Königin Maria durch die Gegend. Echt abartig. Dazu spielt ein Blasorchester in den schiefsten Tönen. Im Parque central konnten wir die Fertigstellung eines bunten, aus gefärbten Sand gesiebten Teppiches bewundern. Auch für die Prozession.

Auf dem Plaza central war am Karfreitag wieder eine Prozession zugange. Unwillkürlich fällt mir da immer die Amosstelle ein, Amos 5, 21-23: „Ich bin euren Feiertage gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und ob ihr mir gleich Brandopfer und Speiseopfer opfert, so habe ich keinen Gefallen daran; so mag ich auch eure feisten Dankopfer nicht ansehen. Tue nur weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Psalterspiel nicht hören!“ Hunderte in schwarz gekleidete Männer tragen mit noch anderen zusätzlichen Lasten diese Standbilder stundenlang durch die Stadt, um Jesu etwas von seinem Leiden zu nehmen, um eigene Schuld ab zu bezahlen. Wie unlogisch und aberwitzig. Jesus hat alle Last, alle Schuld, alles Leid getragen vor über 2000 Jahren. Man kann ihm nichts abnehmen. Ich kann auch nicht einen, wenn auch noch so kleinen Teil meiner Schuld selbst ab bezahlen. Das geht einfach nicht. Ich brauche doch nur Jesu Geschenk annehmen. Aber grad das ist halt so schwer für viele, weil ich dann – nach menschlichem Ermessen – ewig in seiner Schuld stehe und ihm ewig dankbar sein muss und genau das ist der Punkt. Wir Menschen möchten nicht in jemandens Schuld stehen, wir wollen Dinge abschließen. Abhaken, vergessen. Und selbst handeln.


Apr 15 2010

parque arqueológico nacional, TAK ´ALIK AB ´AJ

An der Pazifikküste liegt der parque arqueológico nacional, TAK ´ALIK  AB  ´AJ, Hier kann man die Archäologie der Mayas, aber auch der Vormayazeit bewundern. Vor uns lagen etwas mehr als 3 Stunden Fahrt in verschieden Chickenbusen, Pick up, Monotaxi und Minibusen. Je weiter wir in den Süden kamen, desto wärmer wurde es. Wir fuhren in einem kalten Xela los um in der feuchtheißen Klima der Pazifikküste anzukommen. Auch Nichtstun brachte einen zum Schwitzen. Mit einem kurzen Umsteigestopp in Reu gelangten wir nach Betalhuleu, nahe des Parks, und dann mit Hilfe eines Pickups zu dem 5 km entfernten Park. Ein schüchterner Führer konnte gar nicht glauben, dass wir uns tatsächlich für die Archäologie interessierten, die aus Vor Maya und Inkazeit stammt, aber auch Mayaarchäologie beinhaltet. Auch heute werden dort noch auf „neuen“ kreisrunden Opfersteinen ihre Rituale und Opfer feiern und darbringen. Einen kleinen Zoo mit Wildschweinen, Wasserschildkröten, Alligatoren, Füchsen, Dachsen Waldkatzen, Vögeln beherbergt der Park ebenfalls. Es gab viel zu sehen, zu bewundern, zu fotografieren.  So faszienierend die Vorstellung auch ist, dass hier menschen vor tausenden von Jahren gelebt, gearbeite, erstaunliche Bauwerke konstruirt haben (unter großen Menschenopfern, nur mal nebenbei erwähnt), noch mehr als all dies archäologischen Wunderwerke haben mich die Pflanzenvielfalt und die Schmetterlingsarten in Bewunderung versetzt. Schmetterlinge in schwarz und rot, in Azurblau und sonnengelb, in gelbgrün und auberginenviolett. Brilliant. Auf dem Nachhauseweg erlebte ich meinen ersten subtropischen Regenguss. Heftig und warm. Und da es im Bus wie in einer Sauna war, riss ich das Fenster auf, holte mit meinen hohlen Händen den warmen Regen herein und spritzte mich und Luis voll. Wir haben viel gelacht. 
Subtropischer Regenschauer


Mrz 30 2010

Der 6. Freitag in der Passionszeit

26. 03.10, Protesttag der Studenten

Offiziell wird der Protesttag als Parade bezeichnet und so wirkt er auch. Ein großes Spektakel, eine Mischung aus Karneval und Event. Aber die Studenten haben durchaus ernste Absichten. Es wird angeprangert, verurteilt und Missstände öffentlich gemacht, eingepackt in Maskerade. Expräsident, Politiker, Papst, die katholische Kirche, das Rechtssystem, die Justiz und die Polizei schneiden bei den Reden und Theaterstücken ebenso schlecht ab, wie die Politik der USA gegenüber Guatemala. Trotzdem wage ich zu behaupten, dass die meisten Studenten nicht wissen um was es hier eigentlich geht, nicht die Wurzeln und die Intention der öffentlichen Universität kennen. Sie sind nicht mit der Geschichte der Proteste vertraut und es spielt in ihrem Leben auch keine Rolle. Hier geht es auch um ein Nicht Vergessen der Proteste zu Bürgerkriegszeiten, speziell um die Studeten, die hundertfach erschossen wurden, am sechstenFreitag in der Passionszeit. In d

Expräsident Alfonso Patillo. Verurteilt mit viel Zugeständnissen....

er diesjährigen Parade hat nichts an diese Studenten erinnert. Die Parade wird immer mehr Parade und immer weniger ernstzunehmender Protest, der wirklich Zustände verändert. Wie heißt es hier so treffend: “Deshalb stehen wir da, wo wir stehen”.