Bolivia adonde vas?
In den letzten 8 Monaten ist eine Menge passiert; Jahre könnten damit gefüllt werden ohne langweilig zu sein. Die NGO Soforthilfe ist nicht mehr die Alte. Personalwechsel auf allen Ebenen, administrative Veränderung, Einsparungen und der inzwischen sehr gute Kontakt zur Deutschen Botschaft unterstützen den Prozeß der Erneuerung und Konsolidierung der Soforthilfe. Die langjährige Direktorin und ihr Ehemann haben gekündigt, die stellvertretende Direktorin weilt seit Mitte April in Deutschland um neue Kräfte zu sammeln. Der Vorstand bat mich Mitte April die Geschäfte zu übernehmen. Nach einigem Überlegen, schließlich hatte ich bereits andere Pläne für meine berufliche Zukunft ins Auge gefasst, stimmte ich zu. Representate Legal einer christlichen Organisation in demVielvölkerstaat zu sein sein ist mit viel Hindernissen verbunden. Ausländische NGOs haben hier nichts zu lachen. Das hat sich bis heute nicht geändert, im Gegenteil, es hat sich massiv verschärft. Letzte Woche rief mich ganz früh die Botschaft an um zu erfahren, ob ich noch im Lande bin, ob es staatlicherseits Represalien gegenüber der Soforthilfe gibt. Die gibt es, massiv. Wir stehen unter Beobachtung, bekommen fast jede Woche ein Schreiben der Regierung, die uns eine neue Auflage bringt oder ein Verbot. Der Kindernothilfe e.V. geht es genauso. Und noch schlimmer; ihr Representante Legal wurde abgeschoben und des Landes verwiesen, nachdem die Organisation ihre christlichen Vereinsstatuten nicht schnell genug geändert hatten und der so wichtige Vertrag zwischen NGO und Regierung nicht zustande kam. Alle christlichen Begriffe, wie Gott, Glaube, christliche Werte sollten durch moralisch, ethische Begrifflicheiten ersetzt werden. Uns geht es genauso. Seit April versuchen wir den Vertrag zu erneuern, bringen beglaubigte Papiere bei, bezahlen Unsummen dafür, und immer wieder wird bei der Überprüfung etwas Neues beanstandet.Vertreter des deutschen Außenministeriums und Vertreter der deutchen Botschaft haben bereits, sowohl in Berlin als auch in La Paz, viele Gespräche mit Vertretern auf bolivianischer Seite geführt, aber ohne Erfolg. Die Entwicklungsgelder werden hier gerne angenommen, aber die Gegenleistung hält sich sehr in Grenzen. Die Deutsche Botschaft unterstützt uns, wo es ihr möglich ist, muss aber selbst gegen Mühlenräder kämpfen. Freitag war wieder mal so ein Tag, an dem die zuständige Dame in La Paz der Soforthilfe einenn weiteren Riegel zur Erneuerung des Vertrags, der die Aufenthaltsgenehmigung der ausländischen Mitarbeiter und die Arbeitserlaubnis insgesamt für die Soforthilfe, beinhaltet, vorgeschoben hat.
