Alle Jahre wieder…
… kommt nicht nur Weihnachten in La Paz, sondern auch Preiserhöhungen, Streiks, Blockaden. La Paz im Ausnahmezustand! Los choferes están en huelga inlimitada. Da kann man nur sagen “Fröhliche Weihnachten”. Das Benzin, auch der Diesel, stiegen zwischen 57 und 82 %. Increible! Ein Liter Diesel kostete gestern 3,72 Bolivianos, heute 6,80 Bolivianos, also 82% mehr. Ein Liter “gasolina especial” stieg von 4,72 auf 7,51 Bs. Und das, nachdem ich nach wochenlangen Tramites (Behördengänge) und schließlich durch Beziehungen unserer Öffentlichkeitsbeauftragten endlich den Permiso (Erlaubnis) zur Führung eines Fahrzeuges in Bolivien erworben habe. Nunja, con calma, no te preocupes, tranquilidad hermana, paciencia. Tengo. Algunas veces.
Doch nicht nur die Benzinpreise stiegen: Preise für Fleisch und für das hier nicht wegzudenkende pollo (Hühnchen) stiegen, nachdem Kartoffeln, Gemüse und Obst bereits im Oktober kräftig anstiegen. Besonders hart trifft aber die Erhöhung des Brotpreises um fast 100%. Das ist für Mittwoch angekündigt. Was bleibt also dem armen Volk übrig? Blockaden. Momentan kommt keiner nach La Paz rein und keiner raus; das erzeugt ein beklemmendes Gefühl. Nicht dass ich jetzt unbedingt außerhalb La Paz zu tun hätte, aber zu wissen, das man nicht kann, wenn man wollte, ist beunruhigend, zumal dieses Mal die Blockaden auf unbegrenzte Zeit angesetzt worden sind. Das höchste Staatsoberhaupt ließ all diese Preiserhöhung von seinem Vize bekannt geben, aber die Menschen sind auf ihren Präsidenten wütend, vergessen sind die Gesetze, die sie gnädig und gewogen stimmen sollten: Gleichstellung der Indigenen mit der übrigen Bevölkerung, Ley de la educacíon, ley de pensiones, Schutz der Pacha Mama, Einführung und Gleichstellung der indogenen Rechtssprechung (Lynchmorde, öffentliche Verbrennungen von Dieben, usw) mit dem bisherigen Rechtsverständnis. Mal sehen, wie es weitergeht.
Nichts desto Trotz war mein Weihnachten wunderschön. Tagsüber haben mein Team und ich mit verschiedenen Straßengruppen gefeiert. Unser Bäcker hatte dazu eine Menge Weihnachtskuchen gespendet. Die Wochen zuvor gab es eine Weihnachtsfeier nach der anderen. Jedes der Zentren feierte ihre Clausura mit Zertifikatsübergabe für Schulfähigkeit oder erfolgreich absolvierter Rehabilitation oder anderen Auszeichnungen. Besonders schön fand ich die Weihnachtsfeier der Redonda. 170 Menschen, dazu circa 30 Kinder kamen zusammen. Wir hatten ein Programm vorbereitet von gemeinsam bekannten Liedern singen, ein deutsches Weihnachtslied singen, Andacht, Pantomime, besonderes Weihnachtessen mit Pudding zum Nachtisch usw. Also das was der Papst auch gemacht hat, nur das bei ihm wohl 350 Obdachlose zum Dinner geladen waren.
