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Der Titicacasee
Nur etwas mehr als 70km nordwestlich von La Paz entfernt erstreckt sich der Titicacasee 8600 Quadratkilometer in 3810 m Höhe, Es ist 156 km lang, an seiner breitesten Stelle 60 km breit und an der tiefsten stelle 274 m tief. Der einzige Abfluß dieses durchschnittlich nur 13 Grad kalten höchsten schiffbaren Sees der Welt liegt auf der bolivianischen Seite, der rio Desaguadero.
“Titikaka” bedeutet Pumafelsen und setzt sich aus em Aymarawort “titi” und dem Quechuawort “kaka” zusammen. Nach der Vorstellung der Aymara ist der Titicacasee ohne Grund und mit dem Ocean verbunden, auf dem die Erde treibt. Für andere Kulturen war der See der Götterhimmel. Und an diesem Ort schuf Viracocha die Erde, die Sonne und die Gestirne. hier wurden die Steren wir Inseln geboren und deshalb tragen diese Inseln auch die Namen der Himmelskörper.
Certificado de defunción , Totenschein
Ich war um 8:30 Uhr im CDO, Centro de Operación. Nach und nach schlenderten die Mitarbeiter herein, 3 waren heute für die kinderstunde in einem Bergdorf eingeteil. Julio, von mir begleitet, machte seinen einsamen Job. Donnerstag ganz früh verstarb einer unerer Klienten. Da er keine Familie hatte nahmen wir uns seiner und wollten uns um die Beeerdigung kümmern. Da die Unstände seines Todes unklar waren, sollte unser Fahrer zwei Zeugen der Straßengruppe aus dem Wald holen. Leider stand unser Auto auf einem großen Parkplatz, der Parkwächter war verschwunden und mit ihm der Autoschlüssel. Der Fahrer verbrachte die nächste Stunde wartend. Ebenso unsere zwei Zeugen der Straßengruppe, die seit 8:30 auf das Abholen warteten. Julio beschloss, mit mir, schon mal ein bisschen Papierkrieg zu erledigen. Wir gingen zum Instituto de Investigaciones forencses (Institut für forensische Ermittlungen) und bekamen für 25 Bs. Ein Formular, das von der Polizei unterschrieben die Freigabe des Leichnams autorisiert. Das Formular trägt den Namen: Certificado de defuncion. (Bescheinigung des Ablebens). Danach ging es zur Polizei. Leider waren die Beamten mit TV und Telefonieren beschäftigt. Arrogant und herablassend behandelten sie Julio, bzw. bedienten ihn eben nicht. Endlich kam einer, der mit der Sache betraut schien. Er benutze mein Handy für einige „Dienstgespräche“ angeblich in der Sache, erfragte den Namen des Toten, ich wusste nur seine 2 Vornamen, Nachnahmen gibt es nicht in der Straße. Ich erklärte dem jungen Schnössel, dass der gute Verstorbene auch keine Familie hatte, weil er schon seit Jahren auf der Straße lebt. Er ist einer der No Names, die keiner vermisst, wenn sie nicht mehr da sind. Auch im Tod werden sie so behandelt. Schließlich meinte der Beamte, dass er heute Nachmittag gegen 15 Uhr bereit wäre, die Leiche frei zu geben, wenn wir vorher noch einige Utensilien für die Obduktion gekauft hätten, von chirurgischen Handschuhen, über 4 Regenkittelponchos, Seife, Absaugschläuche für Mageninhalt bis zu Batterien, Mundschutz usw. Außerdem bräuchte er noch die Kopie von diversen Formularen und Pässen. Also zogen wir wieder ab, der telefonierende Polizist flirtete weiter am Telefon, hatte es sich inzwischen bequem gemacht und die Stiefel abgestreift, das Fernsehgerät flimmerte für seine Kameraden. Und wir begaben uns mit der Liste auf Einkaufstour. Vorher brauchten wir noch die solicitud im oficina. Leider war noch keiner im oficina. Es war auch erst 10:15 Uhr. Ich rief an, 30 Minuten später, war das Oficina besetzte, aber Geld zum Einkauf gab es nicht, hatte doch der Buchhalter Samstag frei. Also streckte ich es derweil vor. Um 14:30 Uhr war ich am vereinbartem Ort, aber solamente conmigo. Bis zur Polizeistation war es nicht so weit, so machte ich mich auf den Weg. Es dauerte noch ungefähr eine Stunde, bis Julio erschien und scheinbar von Seiten der Polizei alles klar war. Aber denkste, Püppchen. Der Polizeibeamte sah mich, leider. Ah, du gehörst auch zu dieser Organisation? Konnte ich schlecht abstreiten, da ich meine „Uniform“, die Jacke mit der Aufschrift Soforthilfe anhatte. „Tu carnet, por favor“, super, da ich kein Carnet habe als Ausländerin, musste ich im mein Credential zeigen. Er stöhnte vor Entzücken und murmelte etwas von „más securidad“ und „que linda“, mir war das ziemlich egal, ob ich ihm gefalle oder nicht, ich wollte nur, dass er mich zufrieden läßt, der Gute. Klappte nicht ganz. Ich solle hier un ratito warten. Mhm, die ratitos kenne ich, Stunden später…..Danach musste mein Mitarbeiter und ich in ein abgedunkeltes Polizeifahrzeug steigen. Ich habe meine Neugier (hätte ich nicht einfach vor dem Polizeigebäude auf Julio warten können, nein, ich musste rein, heimlich ein paar Fotos schießen und…in ein abgedunkeltes Fahrzeug steigen, dessen Türen von innen nicht zu öffnen waren, maldigo. Wir fuhren 10 Minuten, als der Fahrer den Wagen anhielt, Julio mit einem Kopierauftrag rausschickte und mich mit den 2 Männern alleine ließ. Das Herz rutschte mir in die Knie. Der grobschlächtige Fahrer mit dem Pockennarbengesicht trällerte irgendein Amor Liedchen aus dem Radio mit. Der andere, unsympathische Kerl starrte unbeweglich durchs Fenster. Gott sei Dank, dass Julio ganz schnell wiederkam. Nun ging es ohne weitere Zwischenstopps in die Pathologie. Eine Ziegelbaracke, bei der, wo Fenster angedacht schienen, Löcher gähnten, innen ein Seziertisch, auf dem Betonboten circa 30 Leichen, zum Teil nicht abgedeckt und schon mehrere Tage ohne Kühlung liegend. Entstellt, aufgebläht, zerfetzte Bäuche, blutige Köpfe, verdrehte Glieder. Unser Mann lag direkt zum Drüberstolpern mit schwarzem aufgedunsenem Gesicht und Genitalbereich, mit blutverkrusteter Nase und ungläubigem Blick. German, was ist passiert in dieser Nacht? Formalitäten wurden erledigt, die Leute vom Beerdigungsinstitut kamen, begleiteten den unsäglich lange dauernden Vorgang, währenddessen ich mehrere Male Unterschrift leisten, Credentialnummer notieren und die Organisation benennen musste. Danach kam der weit schwierigere Teil. Wie die Leiche, für bolivianische Verhältnisse groß und schwer, in den Sarg legen? Das gelang nach einigen Anläufen, nur, der Sarg ging nicht zum Verschließen. Aber zu was hat man Nägel und Hammer, einfach den toten etwas mehr drücken, er merkt ja nochts mehr, und Nagel rein. Allerdings blieb die eine Seite doch etwas geöffnet. Der Transport des Sarges in das Auto wurde von 4 Männern bewerkstelligt und dann ging es zu einem der vielen Friedhöfe, wir wählten den an der Peripherie, weil man dort auch Leichen inoffiziel beerdigen kann. Nachdem der eine Herr des Beerdigungsinstitutes einen geeignet erscheinenden Platz ausgewählte hatte, fing die körperliche Arbeit an. Mit Spitzhacke und Schaufel wurde in 2,o Stunden eine Grube ausgegraben. Ich kaufte Blumen und bastelte ein Kreuz. Der Sarg wurde in die Grube gelassen. German lag nun circa 20 Zentimeter unter der Erde. Das Erdreich ist einfach zu felsig um bei beginnender Dunkelheit noch tiefer zu graben. Mit Handys wurden die Grabungsarbeiten beleuchtet und erfolgreich beendet. Außer 4 SH Mitarbeiter, 4 Beerdigungsinstitut Mitarbeiter, war niemand anwesend. German, esperamos, que tu nombre este escrito en el cielo. Nadie recuerda en ti, pero por Dios no estás olvidado













