Jedes Paket ein Abenteuer
Ich habe heute ein Paket von meiner Schwester bekommen. Wow, hab ich mich gefreut, wie Weihnachten und Ostern zusammen. Mit deutscher Schokolade!!! Die lieb ich immer noch. Die Tussi bei der Post war wenig begeistert, dass da jetzt noch jemand kommt und ein Paket abholen will. Sie hat sich etwas aufgeregt und war echt muffig (halt Beamte;-)) , ne gibt es hier gar nicht), aber ich hab ihr mein Visum und meinen Credencial unter die Nase gehalten, d.h. durchs Glasfenster zugeschoben und tat so als ob ich nichts verstanden hätte. Dann schickte Senora Tussi mich ins oficina numero 10. Diese Dame, hatte auch keine Lust zum Arbeiten, claro, Samstag um die Mittagszeit hab ich auch nicht mehr die höchste Stufe der Motivation, aber wer frägt mich denn schon? Also oficina numero 10 schickte mich zu oficina economia internacional; super, da war vorsichtshalber gar keiner! Also ich, inzwischen inständig betend, zurück zu Tussi numero 1, “Senora” presste ich mir zwischen den Lippen hervor, “Senora, POR FAVOR!!!” Sie setzte sich in Bewegung, suchend nach irgendwelchen imaginären Formularen, die sie dann nach Durchstöbern aller alphabetisierten Fächer auch fand. Pech für sie, Glück für mich. Nun musste ich 11 Bolivianos berappen (wobei offen blieb, ob sie die für ein Tässchen Kaffee ausgeben wird oder ob die der Postminister bekommen wird, egal). Zahlreiche Unterschriften waren zu leisten und die Ausweisnummer akribisch, gut leserlich zu notieren. Was gut, dass ich vorauschauend wie ich bin, einen Kugelschreiber dabei hatte, denn die arme Post hatte keinen für mich zur Verfügung. Was tut man nicht alles um an sein Paket aus Deutschland zu kommen!!! Endlich schob sich die Glastür auf und Tussi numero1 wuchtete ein 6 Kilo Paket auf die Theke. Ich packte es, und wollte die Treppe Richtung Ausgang flüchten…. Aber nein, wie kam ich nur auf so eine abwegige Idee? Ich wurde zurückgepfiffen und ins oficina numero 10 geschickt. Dort schnitt die Dame jeder Ehrfurcht bar, kurz entschlossen und ohne Rücksicht auf Verluste MEIN Paket auf und durchsuchte alles, Super, Mädel! Her jetzt mit dem Paket, dachte ich. Beim sorgfältigem Zukleben desselben wurde sich nun Zeit gelassen. Mit einem gnädigen Nicken und den Worten “Para Ustedes” wurde ich entlassen. Zu allem Überfluß waren die Straßen voll mit Leuten, keine Ahnung was heute schon wieder gefeiert wird, aber der Prado, die Hauptstraße im Stadtzentrum und alle wichtigen großen Straßen waren mit Menschen, Tänzern, Musikgruppen, Verkäufern und Tiendas, kleinen Geschäften voll gestopft. Normalerweiser hätte ich ein paar Fotos gemacht, aber ich wollte nur noch mein Paket nach hause bringen. Ich fühlte mich als Einzelkämpfer im feindlichen Dschungel, der die kostbare Fracht mit Leib und Leben zu verteidigen hatte. ( Ich konnte die kostbare Fracht ohne mein Leben einsetzten zu müssen, sicher in meine Wohnung bringen!). Und es hat sich gelohnt, aus dem Paket kamen lauter Kostbarkeiten und alles für mich. Danke Petra!!!
August 1st, 2010 at 08:28
Querida Heidi,
)
das Paket hatte 8,3 Kg nach deutscher Genauigkeit. Aber, bei so einer langen abenteuerlichen Reise verliert man schon mal ein paar Kilo. Gutes Gelingen beim Brotbacken
und… das nächste Paket kommt bestimmt und dann leg ich obendrauf was für senora Tussi.
Schön das das Paket samt Inhalt angekommen ist.
un beso de Petra