Apr 27 2010

Der Vulkan Santiaguito

Welch seltsames Licht heute früh, Montag, die Stadt beleuchtet. Als ich das Haus verließ um in die Schule zu gehen, sah ist den Vulkan Santa Maria. Das ist zunächst nichts beunruhigendes, ich sehe ihn jeden Morgen und den ganzen Tag; aber diesmal erschien er mir verändert. Über dem Gipfel bewegte sich in rasanter Schnelligkeit eine immer größer werdende Wolke, erst weiß, dann etwas gelblich, dann grau. Santiaguito, un “hijo” de la Santa Maria war zum Leben erwacht. Etwas mehr als eine Stunde grummelte er so vor sich hin. Der Himmel war trüb über Xela breitet sich ein Nebel aus Asche und kleinen Partikeln. Die Straßen und Autos bekamen einen Grauschleier, alles wirkte gedämpft und in ein seltsames Licht getaucht. Durch die Nachrichten erfuhr man, dass Santiaguito 3 mal eruptierte, später wurde auf 32 Mal verbessert (bis Mittwoch), auch Lava wurde gespuckt und dass er seine Tätigkeit die nächsten Tag nicht einstellen wird. Zunil und Almolonga, die Nachbar Comunidades hat es besonders heftig erwischt. Hier liegt die Asche Zentimeter dick. Das Atmen fällt etwas schwerer als sonst, alles ist in einen Dunstschleier getaucht, aber das Leben geht hier einfach weiter. Die Zeitungen versuchen zu beschwichtigen, Humus für die Pflanzenwelt, Mineralstoffhaltig usw. aber die Menschen haben Angst. Schließlich gab es letzte Woche 2 Erdbeben in deren Folge 4 Schüler zu Tode kamen (17-19 Jahre) und viele verletzt, z.T. schwer, in die Krankenhäuser eingeliefert wurden. Die Schule ist total zerstört. Und nun 4 Tage später der Vulkan. 1989 hatte der Vulkan ein Dorf durch Lava vollkommen zerstört. Das sitzt noch tief im Gedächtnis. Auch an das Erdbeben, vor 35 Jahren, dass 70.000 Tote hinterließ und eine fast völlig zerstörte Stadt Xela , wurde erst vor ein paar Wochen in allen Zeitungen und Radiosendern gedacht.Verschwörungstheorien schießen wie Pilze aus dem Boden (Die USA provoziere diese Naturkatasthrophen in Chile, jetzt in Guatemala, um Centralamerika zu schwächen), Aberglaube bricht offen aus. Die Geister der Toten überbringen Botschaften von der maldretierten Mutter Erde. In http://www.spiegel.de/video/video-1062783.html kann man sich ein aktuelles Video von den Aktivitäten des Santiaguito ansehen. Bei den Videos einfach ein wenig nach unten scrollen und auf einen der nach unten zeigenden Pfleilen rechts oder links der Videos klicken; so werden weiter Videos zum Ansehen sichtbar, darunter auch: “Der nächste bitte, Vulkan in Guatemala ausgebrochen”.

Santiaguito am Anfang der Eruption


Apr 15 2010

Die Osterzeit

Gründonnerstag schauten Jaci, Dana, Luis und ich der Kinderprozession der katholischen Kirche zu. Abartig. Die Jungs in lila gekleidet,  schleppen 4 Stunden eine schwere Statue, die Jesus darstellt, durch die Stadt, die kleinen Jungs ab 2 Jahre, laufen nebenher, bekleidet von Vater oder Mutter. Diese haben eine Menge Geld an die Kirche bezahlt, damit ihre Kinder teilnehmen dürfen, die z.T. überhaupt nicht verstehen um was es hier geht. Durch die Schlepperei nehmen die Jungs einen kleinen Teil des Leidens Jesu auf sich und bezahlen damit ihre Schuld. Die Mädchen, wie Bräute ganz in weiß gekleidet, tragen die Königin Maria durch die Gegend. Echt abartig. Dazu spielt ein Blasorchester in den schiefsten Tönen. Im Parque central konnten wir die Fertigstellung eines bunten, aus gefärbten Sand gesiebten Teppiches bewundern. Auch für die Prozession.

Auf dem Plaza central war am Karfreitag wieder eine Prozession zugange. Unwillkürlich fällt mir da immer die Amosstelle ein, Amos 5, 21-23: „Ich bin euren Feiertage gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und ob ihr mir gleich Brandopfer und Speiseopfer opfert, so habe ich keinen Gefallen daran; so mag ich auch eure feisten Dankopfer nicht ansehen. Tue nur weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Psalterspiel nicht hören!“ Hunderte in schwarz gekleidete Männer tragen mit noch anderen zusätzlichen Lasten diese Standbilder stundenlang durch die Stadt, um Jesu etwas von seinem Leiden zu nehmen, um eigene Schuld ab zu bezahlen. Wie unlogisch und aberwitzig. Jesus hat alle Last, alle Schuld, alles Leid getragen vor über 2000 Jahren. Man kann ihm nichts abnehmen. Ich kann auch nicht einen, wenn auch noch so kleinen Teil meiner Schuld selbst ab bezahlen. Das geht einfach nicht. Ich brauche doch nur Jesu Geschenk annehmen. Aber grad das ist halt so schwer für viele, weil ich dann – nach menschlichem Ermessen – ewig in seiner Schuld stehe und ihm ewig dankbar sein muss und genau das ist der Punkt. Wir Menschen möchten nicht in jemandens Schuld stehen, wir wollen Dinge abschließen. Abhaken, vergessen. Und selbst handeln.


Apr 15 2010

parque arqueológico nacional, TAK ´ALIK AB ´AJ

An der Pazifikküste liegt der parque arqueológico nacional, TAK ´ALIK  AB  ´AJ, Hier kann man die Archäologie der Mayas, aber auch der Vormayazeit bewundern. Vor uns lagen etwas mehr als 3 Stunden Fahrt in verschieden Chickenbusen, Pick up, Monotaxi und Minibusen. Je weiter wir in den Süden kamen, desto wärmer wurde es. Wir fuhren in einem kalten Xela los um in der feuchtheißen Klima der Pazifikküste anzukommen. Auch Nichtstun brachte einen zum Schwitzen. Mit einem kurzen Umsteigestopp in Reu gelangten wir nach Betalhuleu, nahe des Parks, und dann mit Hilfe eines Pickups zu dem 5 km entfernten Park. Ein schüchterner Führer konnte gar nicht glauben, dass wir uns tatsächlich für die Archäologie interessierten, die aus Vor Maya und Inkazeit stammt, aber auch Mayaarchäologie beinhaltet. Auch heute werden dort noch auf „neuen“ kreisrunden Opfersteinen ihre Rituale und Opfer feiern und darbringen. Einen kleinen Zoo mit Wildschweinen, Wasserschildkröten, Alligatoren, Füchsen, Dachsen Waldkatzen, Vögeln beherbergt der Park ebenfalls. Es gab viel zu sehen, zu bewundern, zu fotografieren.  So faszienierend die Vorstellung auch ist, dass hier menschen vor tausenden von Jahren gelebt, gearbeite, erstaunliche Bauwerke konstruirt haben (unter großen Menschenopfern, nur mal nebenbei erwähnt), noch mehr als all dies archäologischen Wunderwerke haben mich die Pflanzenvielfalt und die Schmetterlingsarten in Bewunderung versetzt. Schmetterlinge in schwarz und rot, in Azurblau und sonnengelb, in gelbgrün und auberginenviolett. Brilliant. Auf dem Nachhauseweg erlebte ich meinen ersten subtropischen Regenguss. Heftig und warm. Und da es im Bus wie in einer Sauna war, riss ich das Fenster auf, holte mit meinen hohlen Händen den warmen Regen herein und spritzte mich und Luis voll. Wir haben viel gelacht. 
Subtropischer Regenschauer