Jan 23 2010

Edificio gobierno de Xela

Fahnen; Union Zentralamerika, Guatemala, Xel Ausdrucksstarkes Wappen XelasFreiheitslicht

Eine ereignisreiche Woche neigt sich dem Ende zu. Montag hier in Xela das Erdbeben. Es gab Gott sei Dank keine Verletzten, aber es war ein unwirkliches Gefühl, als die Tische und Stühle der Schule bebten, die Strommasten sich bogen, fühlte man sich doch an Haiti erinnert. Seitdem gibt es nur zu bestimmten Zeiten in verschiedenen Zonen der Stadt Wasser. Meine Zone hat es noch gut getroffen, hier wird das Wasser wegen Knappheit ab 19 Uhr abends abgedreht.

Wappen Xelas

Freiheitslicht

Am Dienstag besuchte ich das erstmal das Regierungsgebäude der Stadt. Die Fotos sind im Innenhof  aufgenommen. Das Wappen zeigt links oben Büsche, die die Vulkane symbolisieren sollen, daneben die Freiheitsfigur unten die Waffen, mit denen die Freiheit erkämpft und verteidigt wird. Das Freiheitslicht lodert immer und wird ähnlich dem olympischen Feuer weitergereicht, bis die gesamte Welt in Freiheit leben wird.
Mittwoch hatte ich eine Salsastunde. Donnerstag besuchte ich ein Kinderprojekt am Rande Xelas, das benachteiligten Kindern die Möglichkeit gibt sich nachmittags sinnvoll zu beschäftigen. Es werden Football, Basketball, Malen , ja sogar eine Ballettstunde angeboten. Das Programm dauert 3 Stunden und wird von Holländern geleitet, finanziert und inhaltlich verantwortet. Ich könnte dort mitarbeiten, habe aber noch keine entgültige Entscheidung getroffen. Auf jeden Fall werde ich noch einmal teilnehmen. Ob Ballettunterricht nicht Sehnsüchte bei den Mädchen weckt, die nicht erfüllbar sind? Sollte nicht erst an der Basis gearbeitet werden, Schule, Bildung, Nachhilfe in Spanisch (für die meisten Kinder hier ein großes Problem, da es ihre Zweitsprache ist), die Schlüsselsprache nicht nur zu akademischen Berufen, und Nachhilfe in Mathematik, auch sehr oft eine Schwachstelle der hier lebenden Kinder? Das sind Fragen, die mich zögern lassen. Sind Kinder in der Lage einen Beruf auszuüben, haben sie später selbst die Möglichkeit, Ballettunterricht zu finanzieren. Es sei dahingestellt und jedem selbst überlassen die Effizienz solcher Angebote zu beurteilen. Vorallem muss man es erst selbst bessermachen. Den Mädchen hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen und den Jungs auch, konnten sie sich doch über diese Mädchensache köstlich belustigen.

Ballettstunde


Jan 19 2010

Ein etwas anderer Gottesdienst

Sonntag ist Gottesdiensttag. Auch hier in Xela. Ich besuchte zum 2. Mal die Gemeinde Bethania. Eine Gemeinde der Superlative. 4 Gottesdienste am Sonntag! Jeder Gottesdienst ist bis fast auf den letzten Platz besetzt. Ich spreche hier nicht von einem Hinterhofzinmerchen mit 30 Sitzplätzen. Die Größe des Gemeindesaales ist durchaus mit der Siegerlandhalle zu vergleichen. Die Bühne ist so groß, dass 2 Bands locker Platz haben, der Prediger nach seiner einstündigen Predigt geschätzte 6 km gelaufen ist ohne die Bühne verlassen zu müssen. Ein Moderator, ein Animateur eine Tanzgruppe und 3 männliche Flaggenträger vervollständigen das Bild. Es beginnt wie in einer Fernsehshow. Videoclips, laute Musik, Sätze fliegen auf 2 große Leinwände ein. Eine 1 stündige Lobprreiszeit folgt. Die Tanzgruppe tanzt dabei, die Panderaträger schwingen die Fahnen, sehr artistisch, die Besucher hält nichts auf den Sitzen. Es wird gesungen, gejohlt, applaudiert, gerufen, getanzt. Sehr lebendig und kein Vergleich zu deutschen Gottesdiensten, v.a. in den Kirchen. Freude und Begeisterung wirken ansteckend und für 2 Stunden vergesse ich, dass ich hier niemanden kenne. Der Pastor predigt ohne Manuskript, liest Bibelstellen vor, die selbstverständlich eingeblendet werden, interpretiert, erzählt Witze – die ich leider noch nicht verstehe, aber die Leute lachen herzlich -, erzählt aus seinem Leben, erklärt, gestikuliert, läßt einen tosenden Applaus für Gott geben, und irgendwann ist er am Ende und keinem war langweilig. Jetzt ist es Zeit nach vorne zu kommen, sein Herz auszuschüten und für sich oder ein besonderes Anliegen beten zu lassen. Abschließend ein Segen und schon strömt die nächste Hundertschaft in den Saal um den darauffolgenden Gottesdienst zu erleben. Estas cosas ocurren con una evidencia cándita.

Ob es in Deutschland möglich wäre die Gottesdienste ein bißchen fröhlicher und menschlicher zu gestalten, natürlicher und auf die Bedürfnisse der Menschen eingehend, die da sind Freude, Miteinander leben und feiern, Frieden, praktische Hilfsangebote. Finalmente un pocito amor y simpatía. Ich bin der festen Überzeugung, Gott hätte nichts dagegen.


Jan 16 2010

Geburtstagsfeier in 2900 m Höhe

Blick auf Almolonga

Richard, das GeburtstagskindAuf dem GipfelLa Muela, ein nicht mehr aktiver Vulkan. Heute wurde er von den Schülern der escuela La Paz und einem maestro bezwungen. Auf dem Gipfel angekommen, staunten wir über den unvorstellbar großartigen Ausblick. Geröllfelder, totes Vulkangestein, bereits durchdrungen von hellgrünen Farbtupfern: Leben, Wachstum, Pflanzen. Mit einem Picknick, Knallfröschen und Kerzen feierten wir den Geburtstag eines Schülers. Kann man schöner 27 Jahre werden? Blick in das Tal und auf das Pueblo AlmolongaBlick auf Xela im Frühnebel

Jan 14 2010

Vulkanaktivitäten und Zeremonien der Nachkommen der Mayas

Der Vulkan Santa Maria bei Xela erwacht. 13.01.2010Gestern konnte man von der escuela La Paz ein seltenes Naturschauspiele beobachten. Einer der 10 noch aktiven Vulkane rund um Xela erwachte. Es passierte nicht mehr als Rauch, Wolken und Feuer aus dem Vulkan. Niemand kam zu Schaden. Heiliger Ort für Zeremonien und Opfergaben der Mayas Wohnstätte der Mayagottheiten

Es mag kurios erscheinen. eine Cowboypuppe als Wohnstätte der Götter. Aber das Äußere spielt hier keine Rolle. Der heilige Ort San Simón in Zunil, nahe Xela, ist ein Ort der Überlieferung und von besonderer Bedeutung . Hier kann jeder Opfer bringen in Form von Kerzen, Blumen oder Geld oder den Hohenpriester, den sacerdote, bitten (und natürlich bezahlen) eine Zeremonie abzuhalten um von Melancholie und  Krankheiten befreit zu werden oder einen Feind zu verwünschen. Die Tradition hbinhaltet Elemente der katholischen Kirche, des Voodoos, des Buddismuses. Ich sah zwei Hexen eine Liebeszeremonie vorbereiten, die die betreffende Person in den Machtbereich des oder der Auftraggeberin bringen soll. Das kostete den 10 fachen Monatsverdienst eines durchschnittlichen Arbeiters.  Unheimlich, mysteriös, mit betörenden Gerüchen, Tabak rauchend und dazwischen immer mal das Handy bedienend, gingen die brujas ihrer Aufgabe nach. Die Ausbildung zum Sacerdote oder zur Pristerin dauert mindestens 8 Jahre. Es ist der angesehenste Beruf und wohl auch der Gefürchteste. Wahre Weisheit und Fähigkeit kann aber erst im hohen Alter erworben werden. Zunil ist eine communidad agricultura indigena. Hier wird in kleinen Familienbetrieben fast das gesamte Gemüse, das zum Export nach Honduras, El Salvador usw. bestimmt ist, angebaut. Ähnlich wie in Almolongan, eine Nachbarort.


Jan 11 2010

Besuch der einzigen öffentlichen Universität in Xela

In Xela gibt es 9 Universtäten, aber nur eine öffentliche. 8 sind in privater Hand, und nur für die Reichen bezahlbar. Luis, meine Lehrer und Student an der universidad publica nahm mich heute mit.  Luis studiert Jura und wird im April mit dem 2. Examen sein Studium beendet haben. An der Medizinische Fakultät wird morgens gelehrt, an den anderen abends. Der Grund hierin liegt am sozialen Status der Studenten. Die Medizinstudenten haben in der Regel reiche Eltern und müssen während des Studiums nicht arbeiten, nicht so die anderen Studenten. Luis, z.B. arbeitet vormittags und nachmittags in verschiedenen Schulen als Sprachlehrer, um dann abends ab 17:30 uhr die Universität zu besuchen. Die Vorlesungen dauern bis 22:30 Uhr. Seiner Universität haftet, geschichtlich bedingt, revolutionärer Geruch, Protest und  linksradikalem Gedankengut an. Die Regierung duldet diese Uni, aber bevorzugt und fördert die Privaten, die von den USA und Japan unterstützt werden. Die Rechte der Frauen, der Freiheitskampf der Indigos und auch der Frauen ist ein großes Thema. Hier lasse ich meine Fotos sprechen:

 Jedes Jahr im April findet hier eine Woche der Revolution statt. Alle Studenten, auch aus den benachbarten Ländern, treffen sich und protestiern eine Woche lang. Es gibt kein Tabuthema für die Studenten.

 Einer der Hörsääle. Möchte man einen Sitzplatz wärend der Vorlesung haben, muss man 2 Stunden vorher anwesend sein.

Das Maskottchen der Universität

Diese Maskskottchen erinnert an die vielen ermordeten Studenten während des Bürgerkrieges, der 1994 beendet war. Nach 36 Jahren.  Die Studenten wurden von der damaligen UDSSR unterstützt und als Kämpfer ausgebildet, das konnte die Regierung, Militärs, von der USA protegiert, nicht dulden. Deshalb wurden alle Studenten ermordet. Noch heute schicken Eltern ihre Kinder nur ungern auf die universidad publica, weil ein Fluch auf ihr liegt. Wer hier studiert gilt als Revolutinär und kann leicht getötet werden.


Jan 7 2010

Noch ein paar Fotos aus Xela

Die ersten 4 Fotos sind im Friedhofsgelände von Xela aufgenommen. Bis an diesen Ort herrscht Rassismus. Er hat einen Teil für Weiße und einen Teil für Indigenes. Es gibt 67% Indigenes, 2% Weiße, die das Land beherrschen, die restlichen 31% sind arme Weiße. Das 1. Foto zeigt den privaten Teil des Friedhofes. Hier kaann eine Grabstätte teuer erkauft werden. Das 2. Foto ist die letzte Ruhestätte deutscher Einwanderer. Er wird als Kulturerbe von den städtischen Behörden gepflegt, denn Nachkommen, die die Gräber versorgen, gibt es nicht mehr. das 4. Foto zeigt den Teil , der für die Indigenes bestimmt ist (im Hintergrund). im Vordergrund ist der Teil der Weißen zu sehen. Viele Indigenes fühlen sich noch wertlos, so wie in Kolonialzeiten, als sie für weniger als ein Tier gehalten und als Sklaven gehandelt wurden. Dieses mangelnde Selbstwertgefühl ist noch nicht aus allen Köpfen verschwunden. Man kann immer wieder hören, dass ein Kind sagt, sein Gehirn funktioniere nicht, deshalb kann es nicht zur Schule gehen. Diese Auffassung wird von Generation zu Generation weitergegeben. Es muss sich langsam mental etwas verändern. Innwendig sind alle Menschen gleich und das Gehirn der Menschen kennt kein schwarz oder weiß.

Das 5. Foto ist ein Foto in den Bergen. Ein Bad, dass von heißem Vulkanwasser gespeist wird. Rund um Xela gibt es 10 Vulkane, z.T. noch aktiv.


Jan 6 2010

Die ersten Tage in Centralamerica

Vier Tage bin ich jetzt bereits in Guatemala, Xela. Es ist ein wunderbares Land, reich an Rohstoffen (Gold, silber, Petrolium), reich an Farben, Stimmen, Menschen, Lärm, Kindern, Bräuchen….. Die escuela La Paz wurde von Amerikanern gegründet, die während des Bürgerkrieges (dauerte 36 Jahre in G) Opfern der Gewalt Zuflucht geben wollten. Der Bürgerkrieg ist seit 2002 zu Ende, nun dient die Schule der Völkerverständigung. Die Guatemalteken haben beim Anblick der Fremden Angst, fühlen sie sich doch an den schrecklichen Bürgerkrieg erinnert, in dem die USA eine bedeutende Rolle spiete. Wir sind 5 Schüler und jeder hat einen eigenen Lehrer. Wir haben von 8 bis 13 Uhr Unterricht, danach gibt es Mittagessen bei der Gastfamilie, danach wietere Aktionen innerhalb der Schule. abends muss dann gelernt werden. Mein Zimmerchen ist klein, dunkel, Wellblechdach, ohne Fenster, aber ich fühle mich hier wohl. Nachts ist es sehr, sehr kalt, eine Heizung gibt es nicht. Heute scheint die Sonne und schon ist es richtig warm. Xela liegt 2000 m hoch, umgeben von Bergen und Wäldern. Ich freue mich auf die vor mir liegende Zeit, wird sie mich doch gut auf meinen Einsatz in Bolivien vorbereiten. die Probleme sind ganz ähnlich, wenn auch die politische Lage hier noch etwas unstabiler scheint, als in Bolivien, befürchtet man doch, dass 2011 wieder die Militärs die Macht übernehmen werden.


Jan 1 2010

Los ultimos días

Weihnachten und Silvester sind vorbei, das Jahr 2010 ist bereits 21 Stunden alt. Morgen um diese Zeit fliege ich irgendwo über den Atlantik, werde in Los Angeles ankommen und kurze Zeit später nach Guatemala City unterwegs sein. “So Gott will und wir leben”, fügt der Apostel Paulus bei seinen Vorhaben immer dazu - die Bewohner jenes kleinen gallischen Dorfes des Widerstandes würden sagen, “wenn uns der Himmel nicht auf den Kopf gefallen sein wird”. Die letzten Tage waren sehr intensive Tage, bewußter gelebt und erlebt. Der Weihnachtsabend war so lustig, gefüllt mit Musik und Improvision. Jam sassion. Die Geschenke mit soviel Liebe und Nachdenken ausgewählt und mit hohem Zeitaufwand fertiggestellt. Danke. Sie waren Volltreffer.

Ich gehe mit dankbarem, friedevollem Herzen aus Deutschland weg. Hätte ich diesen Schritt immer nur gedacht, hätte ich nie erfahren, wieviel Freunde, Freundinnen, mir wohlgesonnene und anteilnehmende Menschen sich für mich interessieren, hilfsbereit zur Seite stehen, mit Gedanken, Worten, Taten…..Ich hätte nie erlebt, wieviel Wertschätzung mir entgegengebracht wird, wieviel “traurig sein” empfunden wird über das zu Ende gehen einer gemeinsam erlebten Zeit.  

2 verschiedene Um- und Auszüge galt es in den letzten 4 Tagen zu bewähltigen. Für den dritten ist die Reisetasche gepackt, morgen ist es soweit und übermorgen wird der 4. und letzte Umzug abgewickelt werden. Ade, schöne Wohnung am Marburger Tor, tschüss Siegen, Gott segne Euch, liebe Freunde.