Aug 1 2010

Jedes Paket ein Abenteuer

Ich habe heute ein Paket von meiner Schwester  bekommen. Wow, hab ich mich gefreut, wie Weihnachten und Ostern zusammen. Mit deutscher Schokolade!!! Die lieb ich immer noch. Die Tussi bei der Post war wenig begeistert, dass da jetzt noch jemand kommt und ein Paket abholen will. Sie hat sich etwas aufgeregt und war echt muffig (halt Beamte;-)) , ne gibt es hier gar nicht), aber ich hab ihr mein Visum und meinen Credencial unter die Nase gehalten, d.h. durchs Glasfenster zugeschoben und tat so als ob ich nichts verstanden hätte. Dann schickte  Senora Tussi mich ins oficina numero 10. Diese Dame, hatte auch keine Lust zum Arbeiten, claro, Samstag um die Mittagszeit hab ich auch nicht mehr die höchste Stufe der Motivation, aber wer frägt mich denn schon? Also oficina numero 10 schickte mich zu oficina economia internacional; super, da war vorsichtshalber gar keiner! Also ich, inzwischen inständig betend, zurück zu Tussi numero 1, “Senora” presste ich mir zwischen den Lippen hervor, “Senora, POR FAVOR!!!” Sie setzte sich in Bewegung, suchend nach irgendwelchen imaginären Formularen, die sie dann nach Durchstöbern aller alphabetisierten Fächer auch fand. Pech für sie, Glück für mich. Nun musste ich 11 Bolivianos berappen (wobei offen blieb, ob sie die für ein Tässchen Kaffee ausgeben wird oder ob die der Postminister bekommen wird, egal). Zahlreiche Unterschriften waren zu leisten und die Ausweisnummer akribisch, gut leserlich zu notieren. Was gut, dass ich vorauschauend wie ich bin, einen Kugelschreiber dabei hatte, denn die arme Post hatte keinen für mich zur Verfügung. Was tut man nicht alles um an sein Paket aus Deutschland zu kommen!!! Endlich schob sich die Glastür auf und Tussi numero1 wuchtete ein 6 Kilo Paket auf die Theke. Ich packte es, und wollte die Treppe Richtung Ausgang flüchten…. Aber nein, wie kam ich nur auf so eine abwegige Idee? Ich wurde zurückgepfiffen und ins oficina numero 10 geschickt. Dort schnitt die Dame jeder Ehrfurcht bar, kurz entschlossen und ohne Rücksicht auf Verluste MEIN Paket auf und durchsuchte alles, Super, Mädel! Her jetzt mit dem Paket, dachte ich. Beim sorgfältigem Zukleben desselben wurde sich nun Zeit gelassen. Mit einem gnädigen Nicken und den Worten “Para Ustedes” wurde ich entlassen. Zu allem Überfluß waren die Straßen voll mit Leuten, keine Ahnung was heute schon wieder gefeiert wird, aber der Prado, die Hauptstraße im Stadtzentrum und alle wichtigen großen Straßen waren mit Menschen, Tänzern, Musikgruppen, Verkäufern und Tiendas, kleinen Geschäften voll gestopft. Normalerweiser hätte ich ein paar Fotos gemacht, aber ich wollte nur noch mein Paket nach hause bringen. Ich fühlte mich als Einzelkämpfer im feindlichen Dschungel, der die kostbare Fracht mit Leib und Leben zu verteidigen hatte. ( Ich konnte die kostbare Fracht ohne mein Leben einsetzten zu müssen, sicher in meine Wohnung bringen!). Und es hat sich gelohnt, aus dem Paket kamen lauter Kostbarkeiten und alles für mich. Danke Petra!!!


Jul 29 2010

Estado Plurinacional de Bolivia

Heute habe ich von unserer Öffentlichkeitsbeauftragten eine kurze Einführung in das Land bekommen. La Paz ist nicht nur eine Stdat oder DIE Stadt oder die Stadt mit Regierungssitz. Sie ist nur die 3. größte Stadt des Landes, das auf aymarischWuliwya Suyyu heißt. La Paz ist auch einer von 9 deparamentos, in die sich Bolivien verwaltungsrechtlich aufteilt. Der Bedeutung anch sind dies: La Paz, Santa Cruz, Cochabamba, Chuquisaca (Sucre), Potosí,  Bení, Pando, Oruruo, Tarija. Das departamento La Paz besteht aus 22 provincias. Die Stadt La Paz liegt in der Provinz Murillo. Es gibt 36 anerkannte indigenenSprachen die gleichberechtigt dem Spanischen als Amtssprachen anerkannt sind.

Etwa 72 % der Bevölkerung gehört der Indigenen Bevölkerung an, meist Quechua (30,7 %) und Aymara (25,2 %); 27,5 % der Bevölkerung sind Mestizen. Die übrigen Bewohner des Landes sind Weiße, meist Nachkommen der spanischen Kolonisten, aber auch ungefähr 40.000 Mennoniten.

Bolivien gehört zu den ärmsten Landern in Südamerika. Gegenüber Guatemala allerdings scheint Bolivien in Punkto Lebensqualität, Entwicklung, Kampf gegen Armut, Analfabetismus schon einige Schritte  mehr geschafft zu haben. Es gibt Bodenschätze, wie z.B. freie Erdgasvorkommen,  Lithiumvorkommen. 

Ein Großteil der Bevölkerung ist nach wie vor in der Landwirtschaft beschäftigt. Nur im tropischen Tiefland im Osten wird die Landwirtschaft dabei einigermaßen modern betrieben, im Altiplano mit seinen klimatisch ungünstigen Anbaubedingungen dagegen wird traditionell auf Subsistenz-Basis angebaut.

Kontrovers diskutiert ist der Koka-Anbau. Nach wie vor stellt er einen der Hauptwirtschaftszweige des Landes.  Coca ist nicht nur ein Rohstoff für Kokain, sondern wird von der Bevölkerung der gesamten Andenregion als Genussmittel genutzt wird, ob als Tee oder zum Kauen. Um den Cocaanbau ist ein heftiger Streit zwischen der Regierung und den Cocabauern entbrannt, der mit zu der chaotischen politischen Situation 2002–2003 führte. Der derzeitige Präsident Evo Morales gehörte vor seiner Wahl der Cocalero- (Kokabauern-)-Bewegung an. Huete muss erselbst Streiks und Ärger der Cocabauern ertragen.

Ich las, dass in Bolivien nur 85 % der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser hat, dass es 63 % Arme gibt und 37 % extreme Armut. Walter Scheel hat die Kooperation zwischen Dtl. und Bolivien ins Leben gerufen mit der Organisation DED, sie nahm am 31.12.1965 ihre Arbeit auf und schickte Freiwillige ins Land um Aufbau zu betreiben, Wissen, usw. zu vermitteln. Eine Studie zeigt, dass 6-7 Frauen von 10 häusliche Gewalt oder außerhäusliche Gewalt erleiden.

Unsere Klienten, also die, der Soforthilfe, bestehen aus:                                                                                                                                – 54 % Erwachsenen  (davon sind 11% Frauen und 43% Männer)

- 46 % Kinder und Jugendliche, die wir auf der Straße, in den Kindereinrichtungen und in den Gefängnissen betreuen 

D.h. wir betreuen mehr Erwachsene und Senioren als Kinder und Jugendliche, mehr männliche als weibliche Klienten.

- Bei 6 von 10 Kindern werden Menschenrechte verletzt.

- Nur 4 von 10 Jugendlichen beenden die Schule (8 Jahre Primaria und 4 Jahre Secundaria, Abschluss. Bachiller de Humanidades)

- 46% Kinder leiden an Unter- oder Mangelernährung, sind chronisch krank (HIV, Hepatitis, Krätze usw.). Sie leiden unter körperlichen, seelischen, sexuellem Missbrauch, Vernachlässigung durch die Eltern, bekommen keine Werte vermittelt und haben auch keine, stehen in Gefahr stofflich abhängig zu werden. Viele minderjährige Mädchen werden schwanger. Die meisten der Kinder beginnen ihr Arbeitsleben mit 7 Jahren.

- 54 % der Erwachsenen sind Analphabeten, leiden an Unter- oder Mangelernährung, an Alkohol Abusus und Obdachlosigkeit.

Besuch in einem Bergdorf über 4000 m in den Anden


Jul 12 2010

Hochzeit 29.05.2010

Ich habe die Hochzeit meiner Tochter mit dem Computergenie Tobias nicht vergessen, aber bis dato mangelte es mir an Fotos. Diese sind jetzt da. Ihr zwei seid ein wunderbares Brautpaar, wunderbare Menschen und ich bin stolz auf Euch.

Standesamt Siegen, 28.05.2010

Das Brautpaar


Jul 12 2010

Unas fotos más

Ein Teil einer von der SH besuchten Straßengruppe

 

Kinderstunde in der wärmenden Vormittagssonne auf der Straße


Jul 12 2010

Unas fotos………

Unterkünfte für die arme Bevölkerung

Relativ komfortable Unterkunft für Menschen der StraßeBesuch einer Straßengruppe


Jul 12 2010

en la calle

Vergangene Woche verbrachte ich überwiegend mit dem Team des  CDO’s, centro de organisacion. Durch Urlaub und Fortbildung geschwächt, waren die Mitarbeiter auf einen reduziert. Juan, Jose Luis, unser Arzt und ich unterstützten den Einzelkämpfer abwechselnd. Im CDO werden die Straßedneinsätze vorbereitet, d.h. es werden täglich an die 50 Brötchen mit Margarine geschmiert, Tee oder Kakao gekocht, der Arztkoffer aufgefüllt und eingepackt.  Ich habe in dieser einen Woche so viel Leid und Menschenunwürdiges gesehen, dass ich das gar nicht aufschreiben kann, denn dafür gibt es keine Worte; Kinder mit nackten Füßen bei 3 Grad, verdreckte Gesichterchen mit große Augen. Manchmal lächelnd (wegen des Kakaos und des Brötchens), machmal todtraurig. Ein Mädchen geht mir da gar nicht aus dem Kopf, abweisende Körpersprache, fehlender Blickkontakt, Anteilslosigkeit und Desinteresse. Soviel unendliche Traurigkeit und Resignation in diesen höchstens 10jährigen Kinderaugen! Betrunkene Obdachlose, am Boden zusammengekrümmt, unter sich lassend, mit rotunterlaufenden Augen, nicht mehr fähig um Hilfe zu flehen. Die Körper der Straßenleute übersät mit kleinen entzündeteten Geschwüren und anderen Verletzungen; zerrissene Kleidung, fehlende Schuhe, Schmerzen……Minderjährige, schwangere Straßenmädchen, Schuhe putzend, von den Macho-Jungs der Gang herumkommandiert. Eines der Mädchen der Intocables (der Gang der Unberührbaren) wird in 2 Wochen ihr erstes Kind zur Welt bringen. Wer hilft dir? fragte ich sie. Meine Gruppe, sagte sie. Oh Mann! Ich gab ihr meine Handynummer, damit sie mich anruft, wenn es soweit ist. Bin zwar keine Hebamme, aber irgendwie werden wir das Kind schon holen. Ganz geheuer ist mir die Sache ja nicht, kann nur zupacken und beten, dass Mutter und Kind die Geburt gut überstehen und nichts Schlimmes passiert, v.a. unter den unhygienischen Bedingungen und den kalten Temperaturen.
Ja, und so geht ein Tag nach dem anderen. Kleine Erfolge erlebe ich, wenn wir einen Obdachlosen nach Martin Lipa ins REHA Zentrum bringen können, weil er von der Straße weg will, oder in das Zentrum REMAR von einer befreundeten Holländerin (Seit gestern Vizefußballweltmeister) . Das sind Glücksmomente.
Nach hause komme ich so um 19:30 um noch etwas Schreibarbeit zu erledigen, das Erlebte zu überdenken, aufzuschreiben, abzulegen und zuentspannen, wenn möglich.

Wöchentlich werden von der SH circa 250 bis 300 Erwachsene, Jugendliche und Kinder besucht.  Manchmal treffen wir sie nicht am gewohnten Ort an, sie sind weitergezogen oder von der Polizei vertrieben worden. Manchmal sind sie auch einfach zu betrunken und /oder berauscht, als dass sie zum vereinbarten Ort gehen könnten. Einen unerfreulichen Zusammenstoß mit 4 Polizisten habe ich miterlebt, aber er ging glimpflich ab, die Polizei zog nach einigen Diskussionen und Beobachtungen wieder ab. Jeden Dienstag nachmittag findet ein Treffen auf dem Theaterplatz statt. Die Mitarbeiter der SH bringen warmes Essen mit, Tee, Brötchen. Der verantwortliche Mitarbeiter hält eine kleine Andacht, wir singen ein zwei Lieder, völlig schräg und disharmonisch, danach wird Essen und warmer Tee ausgeteilt. Das tut den Menschen gut, sind doch die Temperaturen hier zwischen -5 und 15 Grad. Normale Temperaturen im Winter, es wird noch kälter werden.
Die Arbeit ist wichtig und gut, aber verbesserungs- und ausbaufähig, (wie fast alles im Leben). Der medizinische, diakonische und ökonomische Aspekt könnte effizienter ausgebaut und vertieft werden. Die Intension, Menschen zu ein menschenwürdigen Leben zu verhelfen, die Qualität ihrers Lebens langfristig zu verbessern, darf nicht überdeckt werden von der Aktion für ein paar Stunden Nahrung , medizinische Versorgung, Ratschläge und geistlichen Trost  zu geben.

bei 5 Grad Celsius

Kakao für die Kinder


Jun 25 2010

Plato paceno

Plato placeno, wörtlich übersetzt heißt dies: Gericht aus La Paz oder Essen der Einwohner La Paz, besteht aus choco (weißer, dicker Mais), haba (grüner, dicke Bohnen, queso (angebratener, würziger Käse, papa (Kartoffel) und evtl einem Stück Schweinefleisch. Zuvor wird eine Suppe gereicht, z.B. Sopa de mani (Erdnusssuppe mit Pasta oder Reis), oder sopa de verdura (Gemüsesuppe). Der Nachtisch darf  nicht fehlen und da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Plato paceno


Jun 13 2010

Erste Fotos von La Paz

Der Ilimani, ein 6000er, der Hausberg La PazTraditionelle Tänze während eines Straßenfestes

 

Ein Ausschnitt von La Paz
Traditionelle Tänze während eines Straßenfestes


Jun 8 2010

Ankunft in La Paz

Kurz vor der Landung in La Paz

Blick aus meinem Schlafzimmer

 Nach 27 Stunden Flug erreichte ich Samstag abend La Paz, diese beindruckende und faszinierende Stadt. Herzlich wurde ich von den Mitarbeitern Willkommen geheißen. Meine Wohnung schmückten Willkommensgrüße, gemalt und gebastelt. Für die ersten Tage waren Lebensmittel eingekauft.  Der erste Arbeitstag am Montag war ein besonderer.. Jeder wollte die hermana aus alemania kennenlernen, hatte Wünsche und Erwartungen geäußert. Manchmal konnte ich etwas Angst erspüren. Insgesamt aber ein guter Start. Mittwoch wird die offizielle Willkommensfeier stattfinden. Und dann gilt es sich zu bewähren. Ob ich auch 100 Tage haben werde wie die Politiker nach dem Wahlsieg?

Meine Wohnung ist eine typische bolivianische Wohnung. Vieles funktioniert nicht, aber es existiert, z. B. gibt es genug Stromdosen, pero no funciona. Esta bien, es la vida aqui… Mal sehen ob meine Wohnung das Privileg eines Telefones und Internetanschluss haben wird. …Aber, wichtiger als all diese Unwichtigkeiten eines funktionierenden Haushaltes  sind jetzt erst einmal Agreditacion, Permanencia usw.  

Me gusta estar aqui; espero, que asi eso continue…


Mai 31 2010

Wieder in Deutschland

Schon ist die erste Woche in Deutschland vorbei. Aber die Schreckensnachrichten aus Guatemala lassen mich gedanklich immer wieder zurückkehren. Pacaya ist ausgebrochen und hat die Capital mit Asche bedeckt. Der erste winterliche Tropensturm hat Erdrutsche und Überschwemmungen ausgelöst. Vorläufer dieser Stürme hatte ich ja noch miterlebt, nur kam ich letzten Samstag grad noch aus dem Land. Es gab Opfer. Was ist mit meinen Freunden dort? Ein Ehepaar aus Guate city schrieb mir heute, dass es ihnen gut gehe, sie unverletzt seinen, dass es aber viel Aufräumarbeit gäbe, Obdachlose, Verzweifelte. Sie bitten mich für die Guatemalteken zu beten; das werde ich auch tun. Der einzige internationale Flughafen ist gesperrt, Präsident Colon ließ den Notstand ausrufen, USA und Colombia haben Hilfe angeboten. Gott sei den Menschen und dem Land gnädig.